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Fact Check: Ist China wirklich noch eine Gefahr für Bitcoin?

Mona Lisa aus China

China war Mitte 2019 das Land, das mit mehr als 70 % Anteil am weltweiten Bitcoin-Mining alle anderen in die Tasche steckte. Kein Wunder, dass die Hosenbeine zu flattern anfingen, als die autoritäre Staatsführung der VR China im Rahmen anderer Maßnahmen gegen Entwicklungen, die der Kommunistischen Partei gegen den Strich gingen, das Bitcoin-Mining im Sommer 2021 verbot. Würde nun die virtuelle Währung in den Keller abrauschen oder gar ganz ruiniert werden?

Wenn man den Kassandra-Rufern glauben wollte, ganz bestimmt. Pessimisten und Gegner virtueller Währungen nahmen die drakonischen Maßnahmen Chinas zum Anlass, Unsicherheit zu erzeugen und Ängste zu schüren. Dazu verwendete man Thesen, die die Dominanz Chinas im Bitcoin-Netzwerk anführten, um das Scheitern des Bitcoin in naher Zukunft an die Wand zu malen. Demzufolge wäre die Zukunft von Bitcoin an das Wohlwollen der chinesischen Machthaber gebunden, schon allein wegen der riesigen Infrastruktur an Bitcoin-Farmen im Land der Mitte, und wäre ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Das Aus in China

Diese Befürchtungen schienen kürzlich im September weitere Nahrung zu finden, als nämlich der chinesische Staat nach dem Verbot des Minings im Sommer noch eins oben draufsetzte, indem er nun auch noch den Handel mit Bitcoin und anderen virtuellen Währungen innerhalb Chinas verbot. Das kommt einer völligen Lähmung des Bitcoins im Machtbereich der chinesischen Führung gleich, mit Auswirkungen nach außen, da ja einheimische Händler Bitcoin und Co auch nicht mehr einsetzen dürfen im Verkehr mit dem Rest der Welt, wie auch die Händler auf dem Weltmarkt nicht mehr mit Chinesen interagieren dürfen. Die chinesischen Miner müssen sich ein neues Hobby suchen. Bedeutet das nun aber, dass die finsteren Prophezeiungen über die Zukunft des Bitcoin Wirklichkeit geworden sind? Ist der Bitcoin damit erledigt, quasi von Xi Jinping hingerichtet worden?

Übrigens sind die Maßnahmen Teil eines größeren autoritären Programms an Eingriffen. In der jüngsten Zeit kommt es in China zu Kampagnen gegen Superreiche, Stars und Prominente werden plötzlich auf Eis gelegt und verschwinden aus dem öffentlichen Raum, Kinder bekommen vom Staat Vorschriften zu ihrem wöchentlichen maximalen Computerspielkonsum gemacht. Die Betroffenen können wenig dagegen machen. Aber was ist mit Bitcoin?

Der harte Kurs wurde schon länger gefahren – mit einem versteckten Motiv

Die harten Maßnahmen gegen Bitcoin in den letzten Monaten sind nicht aus heiterem Himmel gekommen. Es gab auch davor schon mehr und mehr gesetzliche Initiativen in China gegen Bitcoin, der sich auf der internationalen Bühne davon unbeeindruckt zeigte. Nun mit dem vollständigen Verbot hat aber Xi Jinping sein ganzes Pulver verschossen, denn niemand kann mehr tun als Bitcoin und Co. komplett zu verbieten. Was war nun das Resultat dieses Verbots für den Weltmarkt? Wie zu erwarten, gab es zunächst Kurseinbrüche für alle Kryptowährungen. Für Bitcoin selbst ergab sich vorübergehend ein Kursverlust von 9 %. Danach erholte sich die der Kurs wieder.

Ob es selbst für chinesische Anleger beim Totalausstieg auf Befehl bleibt, wird sich zeigen, denn in der Vergangenheit war man hier immer sehr findig, um staatliche Repressalien zu umgehen. Übrigens ist die chinesische Absage an Bitcoin keinem grundsätzlichen Kreuzzug gegen Kryptowährungen geschuldet, wenn man weiß, dass China daran arbeitet, eine digitale Variante des Yuan auf den Markt zu bringen. Unter diesem Gesichtspunkt sieht das Verbot eher nach Verdrängung unliebsamer Konkurrenz für den Yuan aus – eine durchaus erzkapitalistische Maßnahme, möchte man pikant anmerken. Das Argument, die vielen mit Grafikkarten-Prozessoren laufenden Farmen würden den Energieverbrauch in die Höhe treiben, wird nach Einführung einer neuen virtuellen Yuan-Münze sicher unter den Teppich fallen. Im großen Stil herauskommen soll der E-Yuan mit Einführung während der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking.

Was hat China unterdessen mit seinem Gegenmodell vor?

Im Inland ist die chinesische Kryptowährung jedenfalls schon im Umlauf und wurde zum Anreiz an einige Hunderttausend Leute im Rahmen einer Versuchsreihe beschränkt auf Peking und Suzhou verschenkt. Ob das der Anfang einer Erfolgsgeschichte sein wird, die Bitcoin, Ethereum und anderen virtuellen Währungen ernsthaft Konkurrenz außerhalb Chinas machen wird, bleibt abzuwarten.

Grafik: Der Niedergang des chinesischen Einflusses zusammen mit seinen Minen

Wie das Bitcoin-Netzwerk auf das Totalverbot in China reagierte, zeigt diese Grafik aus den Händen des Finanzmarkt-Makroanalytikers Bianco Research LLC. Sie singt ein Lied davon, wie innerhalb weniger Monate auf andere Standorte außerhalb Chinas umverlegt wurde. Der neue Spitzenreiter an Mininganteilen sind demzufolge nach dem chinesischen Totalausfall die USA mit 35 % Anteil an der weltweiten Hash-Rate, gefolgt von Kasachstan und Russland. Die 0 %, die heute China an Anteil hat, oder präziser, ‚hatte‘, lassen der autoritären Staatsführung dort auch 0 % Einfluss auf den künftigen Werdegang der weltweit gehandelten Kryptowährungen. Mit anderen Worten, man braucht sich keine Sorgen mehr um künftige Schritte Chinas gegen den Bitcoin machen. Das sollte Grund zur Erleichterung geben. Die Frage wird eher sein, was der E-Yuan dagegen wird ausrichten können.

>> Nicht nur Hash Rate in Russland: Putin aufgeschlossen gegenüber Bitcoin

Ausblick: Die Aussichten auf eine Ausweitung der Hate-Zone sind gering

Ganz gleich, was die VR China auffahren wird, um ihren E-Yuan ab Ende nächsten Jahres zu pushen: die Vernichtung oder auch nur ernsthafte Bedrohung existierender Kryptowährungen ist ihr jedenfalls mit der harten Tour über den Verbotsweg misslungen. Es kann sein, dass der Staat versuchen wird, unter seinen Klientelstaaten und Verbündeten Nachahmer anzuwerben, um den Druck auf Bitcoin und Co. zu verstärken, aber da darunter keine bedeutsamen Wirtschaftsräume sind und es fraglich sein dürfte, ob sich Kasachstan oder die Russische Föderation vor den E-Yuan Karren spannen lassen werden, dürfte auch jeder weitere Versuch im Sande verlaufen. Es kann also Entwarnung gegeben werden.

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